Donaubrücke binnen 13 Wochen gebaut

Wir kennen alle die lange politische Debatte über den schon längst fälligen Bau einer neuen Brücke über die Donau zwischen St. Pantaleon (NÖ) und Mauthausen (OÖ). Vor mehr als 500 Jahren war das eine Angelegenheit von 13 (!) Wochen. Blättern wir in der Geschichte zurück und sehen uns den Brückenbau näher an.

Das ist leicht gemacht, weil keine andere Donaubrücke dieser Zeit so genau beschrieben und dokumentiert ist, wie die Brücke von Enns nach Mauthausen, wie der Ennser Historiker Dr. Willibald Katzinger erforscht hat. Zuerst wurden Donaubrücken in Wien, Krems und Linz und 1501 in Enns, vorwiegend für Gütertransporte wie Salz und Eisen nach Freistadt, Budweis und Prag gebaut.  Für den Brückenbau war die Bewilligung des Kaisers erforderlich. Dazu ist der damalige Stadtrichter Christoph Kerstberger, heute würde man Bürgermeister sagen, am 8. Mai 1500 zum Reichstag nach Augsburg gereist, um Kaiser Maximilian persönlich zu sprechen. Gleich wurde er nicht vorgelassen: „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was da alles los ist und was der Kaiser alles zu tun hat“, schrieb er seinen Stadträten nach Enns. Zuerst bekam er eine mündlich Zusage. Die Formalitäten dauerten noch einige Monate. Bereits am 4. April 1501 hat der Kaiser den Brückenbau nicht genehmigt sondern sogar befohlen. Offensichtlich deshalb, weil die gesamte Regierung wegen der latenten Türkengefahr von Wien in die landesfürstliche Burg nach Enns übersiedelt ist. Heute kaum vorstellbar: Enns als Machtzentrum der Donaumonarchie! Die Ennser gingen rasch ans Werk und bauten die Brücke in Eigenregie. Erfahrung und Kompetenz hatten sie ja genug vom Bau und der Erhaltung der Brücke über die Enns nach Ennsdorf. Der Stadtrat beauftragte den Polier Pankratz Khelner, geeignete Holzstämme vom Holzhändler Asem Heigl in Bad Tölz zu beschaffen.

Ein Pferd mit neuem Sattel
Zu diesem Zweck hat ihm der Stadtrat um sechs Gulden ein Pferd samt neuem Sattel gekauft. Um genug Holz zu bekommen hat Khelner den Pfleger (Verwalter) von Bad Tölz mit 24 Gulden bestochen und dafür optimale Holzqualität bekommen. Dafür wurde er vom Stadtrat mit einer Sonderprämie geehrt, weil er rasch und effizient für die Stadt gehandelt hat. Heute wäre das ein Fall für das Gericht. Aus den historischen Dokumenten wissen wir, dass die Pläne der Ennser Meister Lorenz Schmidt gezeichnet und der Ennser Stadtbaumeister und Zimmermeister Petter mit dem Bau beauftragt wurde. Das Bauholz wurde zuerst nach Straubing gebracht und von dort mittels Floßtransport auf der Donau nach Enns gefahren. Für die Brücke waren 125 Piloten in den Donaugrund zu schlagen, denn sie war 600 Schritte lang und  hatte 30 Abschnitte. Die Fahrbahn war so breit, dass zwei schwere Pferdefuhrwerke im Gegenverkehr nebeneinander passieren konnten. Der Ennsdorfer Transportunternehmer Hans Arer hat die 81 Flöße zerlegt und mit seinen Pferden aus dem Wasser gezogen. Dafür hat ihm die Stadt laut Rechnung 16 Gulden bezahlt. Unter der Leitung von Baumeister Petter arbeiteten 20 bestens ausgebildete Zimmerleute termingetreu. Baubeginn war am 9. Jänner. Die feierliche Eröffnung am 15. April 1502. Gesamtbauzeit: 13 Wochen!

Diese Holzbrücke wurde von der Stadt Enns auch laufend gewartet und nach den periodischen Hochwässern immer repariert, bis sie nach 160-jährigem Bestehen durch eine Seilfähre  ersetzt wurde. Diese Seilfähre wurde in den letzten Jahren von der Marktgemeinde Mauthausen betrieben und im Februar 1962 eingestellt, nachdem im Dezember zuvor die neue Mauthausener  Straßenbrücke eröffnet worden war.

Prof. Gottfried Kneifel